„Das Paradies ist überall.“ 500 Jahre Reformation

Berlin ist – das muss leider gleich ganz am Anfang zugegeben werden – kein nennenswerter Ort der Reformation. Unter den 75 offiziellen europäischen „Reformationsstädten“, davon 36 in Deutschland, sucht man Berlin vergeblich. Luther selbst war nie in Berlin, dafür aber der Ablasshändler Johann Tetzel. Dessen Wirken im päpstlichen Auftrag gab immerhin den Anstoß für die 95 Thesen zu Wittenberg, die vor 500 Jahren die Reformation in Gang setzten. 

In diesem Jahr feiert Berlin nun das 5oo. Jubiläum dieses folgenreichen Ereignisses – in einer Zeit, in der die Kirchen mehr und mehr Mitglieder verlieren und Religion fast nur noch in ihrer fundamentalistischen Gestalt weltweite Schlagzeilen macht. 

Da lag der Gedanke nahe, mit einer speziellen Aktion die Aufmerksamkeit auf einige weniger bekannte Facetten der Reformation zu lenken. Nach den Erfahrungen mit anderen großen Projekten im Stadtraum sollte hier ein wegweisender reformatorischer Gedanke aufgegriffen werden: „Das Paradies ist überall“.

Nun hat dieses Luther zugeschriebene Wort wie auch etliche andere Luther-Zitate den Makel, dass es der große Reformator vermutlich so nie gesagt hat. Gemeint hat er aber – und so hat er sich bei einer seiner dokumentierten Tischreden auch ausgedrückt -  „Die ganze Welt ist anzusehen wie ein Paradies“. 

Diese Idee greifen wir in unserem Projekt auf. Wir markieren stadtweit über 70 Orte mit Objekten in Gestalt eines Tores – man könnte sagen „Tor zum Paradies“ – und lenken den Blick damit auf etwas, das vorder- oder hintergründig durchaus etwas Paradiesisches hat. Das kann eine gepflegte Parkanlage sein, ein sogenannter Grüner Ort, aber auch ein städtischer Platz, der seinen Charme erst durch jene Leute erhält, die ihn auf ihre ganz spezielle Weise nutzen.

Auf den Toren selbst werden kleine Hilfen zum Verständnis des Ganzen angeboten: Auf der einen Seite eine Umgebungskarte des Ortes, dazu unter der Überschrift „Wussten Sie schon...“ allerlei Wissenswertes zu den Wirkungen der Reformation auf unseren heutigen Alltag. Auch übers Paradies kann man einiges erfahren. Nicht nur, welche Vorstellungen in den einzelnen Religionen darüber bestehen, sondern auch, welche Faszination noch heute davon ausgeht: Zum Sehnsuchtsort „Paradies“ findet man im Internet mehr als 18 Millionen Einträge!

Das Projekt bezieht seine Stärke zu einem guten Teil aus der Zusammenarbeit mit einer Reihe von bedeutenden Partnern, und wie schon bei den bisherigen großen Themen beteiligen sich auch hier neben den etablierten Kultureinrichtungen etliche private Initiativen mit kleinen Ausstellungen und Präsentationen, am Ende wird sogar das eigens zu diesem Anlass in Szene gesetzte Pop-Oratorium „Luther“ mit gut 2000 Mitwirkenden in der Mercedes-Benz-Arena aufgeführt  - der große Reformator hätte seine Freude.

»Das Paradies ist überall« ist keine bloße Feststellung. Es ist auch ein Aufruf, nachzudenken und sich auszutauschen über das, was das Paradies für jeden Einzelnen bedeutet – und was noch fehlt, um überall ein Paradies vorzufinden.

Dieser Austausch geschieht in den sozialen Medien, die neben dem Stadtraum wichtigster Kanal für das Projekt sind. Gibt es das Paradies für Sie? Wo oder was ist es? lautet die zentrale Frage. Teilen Sie Ihre Berlin-Orte, Vorstellungen, Wünsche und Ideen mit dem Hashtag #berlinparadies.

@paradieseberlin

www.paradiese.berlin

Autor Wolf Kühnelt ist Initiator des Projekts „Das Paradies ist überall.“ – 500 Jahre Reformation.

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