Why diversity matters!

Vielfalt im Kulturbetrieb - ein schwieriger Prozess.

Unsere Gesellschaft ist vielfältig, doch warum spiegelt sich diese Diversität so wenig in den Kulturinstitutionen wider? Wie kann eine diversitätsorientierte und diskriminierungskritische Kunst- und Kulturpraxis gelingen? Welche Strategien und Maßnahmen entwickeln Kultureinrichtungen in ihren sogenannten 3 P’s (Program, Personal und Publikum, um sich zu öffnen?

Mit diesen Fragestellungen befassen sich die diesjährigen »INTERVENTIONEN 2017 – Diversity in Arts & Education« vom 22. bis 24. Juni im Podewil, ganz nach dem Motto: „Why diversity matters.“. Das Besondere an dem Veranstaltungsformat: Tagsüber stellen Referent*innen aus der Diversitätspraxis den rund 400 Teilnehmenden Methoden, Strategien und Best-Practice-Beispiele vor, oftmals von den Communities selbst als selbstermächtigende Kulturpraxis initiiert und abends stehen während des Festivals Musik- und Kunstperformances im Mittelpunkt.

Die Interventionen 2017 beginnen mit dem Schwerpunkt aus dem vergangenen Jahr: Kulturelle Bildung im Kontext von Flucht und Asyl. Zwar kommen Menschen im Asylsystem in der Regel oft als Teilnehmende in den Projekten der Kulturellen Bildung, jedoch viel zu selten als Akteur*innen und Initiator*innen vor. Diese Schieflage ist leider noch immer symptomatisch für den gesamten Kulturbereich: Von gesellschaftlichen Ausschlüssen betroffene soziale Gruppen haben in Kunst und Kultur selten die Möglichkeit, sich selbst  künstlerisch zu repräsentieren. Wege aus diesem Dilemma möchten die Interventionen 2017 unter dem Titel Diversity in Arts & Education zusammentragen.

Seit ihrem Beginn 2014 haben die Interventionen eine rasante Entwicklung genommen: initiiert wurden sie zunächst als Festivalformat der Geschäftsstelle Kulturelle Bildung mit dem Thema Kunst und Stadtentwicklung. Ein Jahr später berührten die weltweiten Fluchtbewegungen auch den Kulturbereich stark: Viele Projekte der Kulturszene und Kulturellen Bildung befassten sich mit dem Thema Flucht. Die Interventionen reagierten 2015 mit dem Themenschwerpunkt Refugees in Arts & Education darauf, in dem sie eine Plattform für Projekte von und mit geflüchteten Teilnehmenden boten. Nach dem großen Interesse wurde im folgenden Jahr diese Schwerpunktsetzung weiterentwickelt: Der Fokus lag nunmehr auf der Arbeit von Selbstorganisationen, Menschen mit Migrationserfahrung und/oder Fluchtgeschichte in der Kulturellen Bildung und Kunstpraxis. Dabei stand die strukturelle Dimension von Ausschlüssen, von denen Menschen mit Flucht- und Migrationsbiographien betroffen sind, im Fokus. Ausgehend von den Perspektiven verschiedener Selbstorganisationen beleuchtete das Tagungsprogramm die gesellschaftlichen Felder Kultur, Bildung, Arbeit und Wohnen in Bezug auf Barrieren und Hindernisse. Ziel war es, erfolgreiche und nachhaltige Strategien zum Abbau von Diskriminierung vorzustellen.

Wie in den vergangenen Jahren laden auch die Interventionen 2017 ein zum praxisorientierten Ver-Lernen, zum Neu- und Wiederfinden diversitätsorientierter und machtkritischer Kulturpraxen von marginalisierten Akteur*innen, Expert*innen und Vertreter*innen der kritischen Diversitäts- und Fachpraxis sowie Gruppen der Freien Szene und Kulturinstitutionen. Das Angebot richtet sich an verschiedene Interessent*innen mit unterschiedlichem Vorwissen und Kenntnisstand. Einige Programmpunkte sind als Einstieg in die Thematik gedacht, andere hingegen stellen vertiefende Ansätze und Wissen vor. Auch in diesem Jahr präsentieren vielfältige künstlerische Projekte empowernde und partizipative Ansätze und erweitern damit das Tagungsprogramm um künstlerische Zugänge: Open-Air im Podewil treten lokale und internationale Music-Acts auf, die das Leben in der Diaspora und die Selbstermächtigung als Frauen of Color verhandeln. Diversity matters!

Interventionen 2017 – Diversity in Arts & Education – Tagung & Festival

22. - 24. Juni

Ort: Podewil, Klosterstraße 68, 10179 Berlin

Download Programm

Die Autor*innen Bahareh Sharifi, Lisa Scheibner und Timo Köster sind Teil des Interventionen-Teams.

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