GESCHICHTE DES HAUSES

Ein Barockpalais im Wandel der Zeiten

Der Ort, an dem sich heute das Podewil befindet, war im Laufe seiner Geschichte starken Veränderungen unterworfen. Die Klosterstraße ist eine der ältesten Straßen Berlins. In den Jahren 1701 bis 1704 ließ der Hofrat Caspar Rademacher  vom Barockarchitekten Jean de Bodt (1670-1745) hier ein Stadtpalais erbauen. Das Palais erlebte diverse Besitzerwechsel. 1732 erwarb es der "Wirkliche Geheime Kriegs-, Etats- und Kabinett-Minister" Graf Heinrich von Podewils (1695-1760) für 12.000 Taler und vererbte es 1749 seinen beiden Töchtern. Bevor der Kaufmann Löwenherz das Palais im Jahre 1856 für 80.000 Taler erwarb, gehörte es 50 Jahre der Familie Brendel.

Die Zeit der privaten Nutzung ging zu Ende. Im Jahre 1874 erwarb der Magistrat von Berlin das Anwesen für 215.000 Taler. Am 17. Januar 1876 eröffnete hier das Märkische Provinzialmuseum. Ab 1919 ist das Palais unter Klosterstraße 68 im Berliner Adressbuch aufgeführt. Es verzeichnet diverse Nutzungen, so durch die Städtische Sparkasse, die Städtischen Wasserwerke, die Stadtreinigung und das Militärbüro des Magistrats. Ab 1939 war es Sitz des Bezirksbürgermeisters. In den letzten Kriegsjahren zerstörten Bombentreffer das Palais. Der Magistrat beschloss den Wiederaufbau zu einem "Haus der Jugend". Am 7. März 1954 übergab der Oberbürgermeister Ost-Berlins, Friedrich Ebert, das "Zentrale Klubhaus der Jugend" an die FDJ, seit 1959 "Haus der jungen Talente" genannt. Besonders bekannt war das HdjT als Organisations- und Veranstaltungsort des „Festivals des politischen Liedes“ und als wichtige Heimstätte des DDR-Jazz. Auf Beschluss der Berliner Landesregierung wurde es zwei Jahre nach der Wiedervereinigung geschlossen.

1991 bezog die gerade gegründete landeseigene Berliner Kulturveranstaltungs-GmbH (BKV) das Gebäude. Die Gesellschaft war mit der Organisation und Koordination von Kulturaustauschprojekten Berlins mit Partnern im Ausland beauftragt und betrieb die Spielstätten Theater am Halleschen Ufer, Podewil und Schaubude Berlin. Das Theater am Halleschen Ufer (heute HAU 2) ging mit der Eröffnung der HAU-Bühnen 2003 in deren Trägerschaft über. Das Podewil entwickelte sich in den 12 Jahren seines Bestehens als Zentrum für aktuelle Künste zur international anerkannten Adresse für Tanz, Neue Musik, Theater/Performance und Medienkunst.

2004 wurde unter Kultursenator Thomas Flierl der künstlerische Spielbetrieb neu ausgeschrieben. Im Ergebnis betrieb der Verein Tesla Berlin e.V.  von 2005 bis 2007 hier das gleichnamige Labor für mediale Künste. 2005 zog der Museumspädagogische Dienst Berlin (MD Berlin) ins Podewil. Dies war der erste Schritt in Vorbereitung auf die Fusion mit der BKV. Am 1. September 2006 nahm die landeseigene, gemeinnützige Gesellschaft Kulturprojekte Berlin (ein Zusammenschluss von BKV und MD Berlin) die Arbeit auf.