Ein offenes Haus für alle

Anfang März sprach die Redaktion des MuseumsJournals mit den beiden Machern des Ausstellungsbetriebs des Humboldt Forums, Lavinia Frey, Geschäftsführerin der Humboldt Forum Kultur GmbH, und Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturprojekte Berlin GmbH. Nach dem Interview mit der Gründungsintendanz zu den inhaltlichen Zielsetzungen in der letzten Ausgabe wollten wir nun einen Blick hinter die Kulissen der Organisation eines solchen Großprojekts werfen. 

9 Uhr morgens trafen wir im Büro unseres Geschäftsführers auf die bestens gelaunten Kulturmacher. Dass die beiden gut miteinander auskommen, wurde schnell deutlich, auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind, wie zum Beispiel in Fragen des freien Eintritts. Van Dülmen ist kein Befürworter dieses Vorschlags, woraus er auch keinen Hehl macht: „Ich persönlich bin ein entschiedener Gegner von freiem Eintritt, weil er so viele Komplikationen nach sich zieht. Ich bin skeptisch, ob man damit wirklich neues Publikum bekommt.“

Das, was beide verbindet – der frische Blick auf das Projekt und die vermeintliche Fachfremdheit in Bezug auf die Museumsarbeit – ist auch genau das, was die beiden als positiv für das Gelingen des Humboldt Forums hervorheben. Auch beim Aufbau der Humboldt Forum Kultur GmbH – zu Beginn ein Ein-Frau-Betrieb – hat Lavinia Frey darauf geachtet, dass verschiedene Kompetenzen mit eingebunden werden: „So entsteht eine Multiperspektivität nicht nur geografisch, sondern auch innerhalb der Disziplinen. Die verschiedenen Blickwinkel zusammenzubringen und fruchtbar zu machen, das ist die große Chance des Humboldt Forums.“

Und auch wenn natürlich einiges noch vage bleiben musste, vermittelt sich eine Vorstellung von der Arbeit der beiden – vor allem ein Agieren zwischen Partnern, Akteuren und Interessenten: „Das Einmalige am Humboldt Forum ist dieses Geflecht an Akteuren. Wir sind dabei, alles zusammenzubringen. (…) Die Zeit des Redens ist vorbei, die Zeit des Machens hat begonnen“, so Frey.

Dabei haben Frey und van Dülmen stets die Besucher im Blick. „Was für ein Publikum will man ansprechen? Will man Touristen ein schnell zu konsumierendes Angebot unterbreiten? (…) Auch die vermeintlich profanen Strukturfragen wie Ticketing, Besucherströme, Vermarktung, digitale Aufbereitung – das sind alles Dinge, die zu spät angegangen wurden. Deshalb sind solche Leute wie wir hilfreich, weil sie (…) auch mal freche oder naive Fragen stellen“, so van Dülmen. Ein wichtiger Aspekt dabei: „Die Berlin Ausstellung im Humboldt Forum wird nur dann ein Erfolg werden, wenn sie mit den Berlinern gemacht wird“, betont van Dülmen. „Nur so entsteht eine Identität und – das ist unser Beitrag zum Humboldt Forum – nur so wird das Humboldt Forum zum Berliner Humboldt Forum.“  Diese Offenheit ist auch für Lavinia Frey sehr wichtig: „Wenn es darum geht, dass das Haus für alle da ist, müssen wir große Anstrengungen unternehmen, auch alle zu erreichen.“

Ein anderes großes Thema, das das gesamte Humboldt Forum und damit die Zusammenarbeit aller Akteure betrifft, sind die sogenannten Interventionen. Vieles ist diesbezüglich noch im Fluss, aber gewisse Vorstellungen gibt es schon: „Es ist uns sehr wichtig, dass man merkt, dass das Schloss eine Rekonstruktion ist. Wir suchen gerade nach Objekten, nach den Geschichten und den Orten, die erzählt werden sollen“, so Frey. Und van Dülmen dazu: „Es war eine wichtige Entscheidung, von der Begrifflichkeit des Museums des Ortes wegzugehen, weil die das Thema so reduziert und in eine Ecke stellt. Es wird sich eher wie ein Schlossgeist durchziehen.“

Ein offenes Gespräch mit zwei Menschen, die an einem der spannendsten Kulturprojekte zurzeit arbeiten – das gesamte Interview ist in der Aprilausgabe des MuseumsJournals zu lesen.

Autorin Nina Szymanski ist Chefredakteurin des MuseumsJournals.

Foto: ©Alexander Rentsch

 

 

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