„Corona Issue“: Dem Shutdown trotzen

Sabrina Apitz vom Kulturförderpunkt Berlin steht Rede und Antwort

Die fast zwei Monate andauernde Quarantäne zwang nicht nur die Menschen in die eigenen vier Wände, auch die Kunstwerke vieler Museen fristeten ein vorübergehendes Kerkerdasein. Um im Bewusstsein der Menschen zu bleiben, ließen sich jedoch viele Kulturinstitutionen originelle Ideen einfallen, um Corona ein Schnippchen zu schlagen. Davon berichtet die Sonderausgabe des MuseumsJournals. Und auch von den Künstlern und anderen soloselbstständigen Kreativschaffenden, deren Lebensgrundlage noch immer bedroht ist. Der folgende Artikel zeigt, wie Berlin durch die Soforthilfe versucht hat, der Lage Herr zu werden. 

Der Legende nach passierte Alexander der Große auf seinem Feldzug gegen die Perser Gordion, die Hauptstadt des Phrygerreichs. Dort stand ein uralter Streitwagen. Zwischen Deichsel und Joch war ein unentwirrbarer Knoten aus Seilen geknüpft, und es hieß, wer ihn lösen könne, der sei Herr über ganz Asien. Alexander zermarterte sich nicht lang das Hirn und schlug den gordischen Knoten einfach mit dem Schwert entzwei. Problem gelöst. Ganz ähnlich ging die Stadt Berlin vor, als es darum ging, den vielen selbstständigen Künstlern und Kreativschaffenden in der Corona-Krise unter die Arme zu greifen. Es wurde nicht lang gefackelt und rasch Geld verteilt, sogenanntes Helikopter-Geld. Mit der Soforthilfe II, für die man ab Ende März einen Antrag stellen konnte, sollte bedingungslos geholfen werden, ohne in ein bürokratisches Klein-Klein zu verfallen. Gleich darauf folgte die Verwirrung: Bin ich überhaupt berechtigt, einen Antrag zu stellen? Wofür genau darf ich das Geld benutzen? Und was passiert, wenn ich es fälschlicherweise beantragt habe? Um den vielen Selbstständigen einen Ariadnefaden in die Hand zu geben, der sie sorgenfrei aus dem Labyrinth der Zweifel führt – um einmal im Bilde zu bleiben –, berät Kreativ Kultur Berlin, das Beratungszentrum von Kulturprojekte Berlin, die Antragsteller in Sachen Soforthilfe. Fragen gab und gibt es viele, versichert Sabrina Apitz vom dazugehörigen Kulturförderpunkt.

„Wir haben reichlich zu tun, die vielen Anfragen zu bearbeiten“, bemerkt sie, vor allem auch, weil sie sich viele Informationen rund um die Soforthilfe II selbst erarbeiten musste. „Ich wünschte, wir hätten von Anfang an einen direkten Draht zur Investitionsbank Berlin gehabt“, bedauert Apitz.

Auf den ersten Blick schien die Sache klar zu sein: Ab dem 27. Marz gab es 5000 Euro, die laut Antrag für drei Monate reichen sollen. Die Senatsverwaltung unterstrich, dass jeder Geld bekäme, ganz gleich, wann der Antrag gestellt wurde. Nun, das war ein Irrtum. Bereits am 1. April kam der Stopp, und das Soforthilfeprogramm des Landes Berlin wurde in ein einheitliches Bundesprogramm überführt, das zuvor verwirrenderweise zeitgleich zum Landesprogramm gelaufen war. Beide Zuschüsse wurden bis zum 1. April über dasselbe Formular beantragt. Wer es versäumte, die Landesmittel bis zu diesem Termin zu beantragen, der bekam auch keine bedingungslosen 5000 Euro.

Apitz hat Blitzumfragen der verschiedenen Spartenverbände verfolgt und schätzt, dass etwa 20 bis 25 Prozent der antragsberechtigten selbstständigen Künstler und Kreativschaffenden leer ausgingen. Der entscheidende Unterschied zwischen den Landes- und den Bundesmitteln liegt darin, dass erstere, also die 5000 Euro Zuschuss, auch für Wohnungsmieten und Lebenshaltungskosten verwendet werden dürfen. Die Bundesmittel dagegen, die weiterhin beantragt werden können, sind nur für geschäftliche Betriebskosten gedacht.

Trotzdem war und ist die Soforthilfe II, vor allem das Berliner Landesprogramm, ein großer Erfolg. „Die überwiegende Mehrheit der Antragsteller war sehr zufrieden mit der raschen Hilfe“, so Apitz. Das Geld wurde binnen weniger Tage überwiesen. Davon profitierten am Ende rund 15 0000 Selbstständige. Einige haben das Geld an die IBB zurücküberwiesen. Sie hatten es doppelt erhalten oder sind in Teilzeit selbstständig und demnach seit dem 31. Marz nicht mehr antragsberechtigt. Bis zum 30. März konnten auch Teilselbstständige einen Antrag stellen. Noch immer gibt es viele Unsicherheiten bei jenen, die noch studieren oder denen, die ALG II, also Grundsicherung, beantragen wollen. Der Kulturförderpunkt und das gesamte Beraterteam von Kreativ Kultur Berlin, zu dem auch die Kreativwirtschaftsberatung und Creative City Berlin gehören, geben zu all diesen Kombinationsmöglichkeiten und Fragen Auskunft und zeigen auf, wie am besten vorzugehen ist.

Sabrina Apitz und ihr Team mussten sich zunächst mühsam selbst einen Überblick verschaffen. Das sei ihnen zum Glück gelungen. Mit dem Programm der Soforthilfe IV sei es, auf Grundlage einer engen Zusammenarbeit mit der IBB und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, deutlich besser gelaufen. Die Soforthilfe IV ist fur kleinere und mittlere Unternehmen der Medien-, Kultur- und Kreativbranche gedacht. Darunter fallen beispielsweise Museen, Theater, Konzerthallen oder Produktionsstatten für Film und Fernsehen.

Der Autor des Beitrags ist Boris Messing, Redakteur bei Kreativ Kultur Berlin, Creative City Berlin und Crowdfunding Berlin.

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