Es popt

in Warschau, Madrid und Zürich

Unter dem Motto „Berlin 365/24“ präsentierten wir in Pop-up-Clubs an jeweils vier Tagen Kunst, Kultur und kreative Innovation aus Berlin in drei europäischen Städten. Ein Nachbericht.

Fassen wir zusammen: 7.500 Kilometer (1.125 Kilometer nach Warschau, 4.630 Kilometer nach Madrid, 1,700 Kilometer nach Zürich, das alles hin und zurück) und 5.000 Besucher! Dazu eine Menge Spaß, Kultur, Austausch, Vernetzung, Präsentation. Viele Eindrücke, tolle Erlebnisse: Wir waren in der großen weiten Welt unterwegs, in drei verschiedenen Pop-up-Clubs in drei Städten im Rahmen von "Pop into Berlin". Der Pop-up-Club ist Bestandteil von „Pop into Berlin“, einer von visitBerlin gestarteten Initiative. Zunächst verschlug es uns nach Warschau (vom 25. bis 29. Oktober), dann nach Madrid (vom 15. bis 19. November), zum Schluss nach Zürich (vom 13. bis 17. Dezember). Wir sagen: Schön war's. Im neuen Klubformat brachten wir über drei Monate an drei Orten gemeinsam mit Partnern wie raumlaborberlin, Berlinische Galerie und Musicboard Berlin den Sound und die Kultur Berlins in andere Städte. Das Motto: „Berlin 365/24“. Das Ziel: Berlin zeigen, wie es ist. Von seiner kulturellen Seite. Von seiner innovativen Seite. Mit Ideen. Mit Visionen. „Mit unserem Pop-up-Club bringen wir alle zusammen: Künstler und Kulturschaffende aus Berlin mit denen aus anderen Städten. Wir zeigen, was wir machen und was Berlin als kulturelle und kreative Stadt ausmacht“, so Kulturprojekte-Geschäftsführer Moritz van Dülmen.

Warschau

In Warschau angekommen, ging es gleich zur Sache: Ankommen, aufbauen, Tür aufschließen – die Gäste kommen rein. Der Ort: ein ehemaliger Strip-Club. Ein echter Hingucker. Fast 1000 Leute kamen an den vier Tagen!

Was gab's zu erleben? Ein Tag war der Musik gewidmet, einer der Kunst, einer der Kreativwirtschaft und einer der Architektur. Ein kultureller Rundumschlag sozusagen. In Kooperation mit dem Berliner Music Tech Fest präsentierten wir die neuesten Berliner Musiktechnologien, so zum Beispiel den tragbaren Subwoofer „Basslet“ oder die innovative Software „Nagual Dance“, die  über Körperbewegungen Klänge erzeugt. Die Künstler Christian Hermann und Rani Dar schufen exklusiv für den Pop-up-Club eine Replik der Berliner Mauer „#PlayThisWall“. Die Berliner Design-Plattform Newniq präsentierte Berlin als Kreativmetropole. Dazu waren die Berliner Stadtteile als Parcours nachgebaut. An einzelnen Stationen konnte man Künstlern und Agenturen in Aktion und bei der Live-Produktion zusehen, so wie dem Urban Art Maler Johannes Mundinger aus Friedrichshain oder dem Produktdesign-Nachhaltigkeitslabel Fahrer aus Weißensee. Zum Schluss ging es um klare Fakten: Sechs Panel-Teilnehmer aus Berlin und Warschau diskutierten beim Creative Talk über ihre Arbeitssituation und Standortbedingungen: Wie arbeiten Künstler und Kreativschaffende in Berlin? Wie ist die Situation in Warschau? Welche Standortbedingungen gibt es im Städtevergleich? Wie wollen wir in der Zukunft arbeiten und leben? Klar wurde: Berlin ist nicht Warschau und Warschau nicht Berlin. Während Berlin eine immens hohe Galerien- und Museendichte hat, gibt es in Warschau bislang nur ein paar Dutzende. "In Warsaw we have only several dozens of galleries and art spaces – and we still don’t have a strong independent artistic scene" ("In Warschau haben wir nur einige Dutzende Galerien und Kunsträume - und wir haben noch keine starke, unabhängige künstlerische Szene wie in Berlin"), sagt Joanna Turek, eine Panelsitin an diesem Abend und Kuratorin des Residenzprogramms "Warschau Berlin" (WRSW | BRLN) sowie Vorsitzende der Stiftung Public Space Research an der TU Warschau.

 

 

Madrid

Dann ging es nach Madrid. Zugegeben, Madrid ist eine tolle Stadt: pulsierend, international, mediterran. 3,15 Millionen Einwohner. Ähnlich wie Berlin, und doch ganz anders. Verschachtelter, enger, traditioneller. In Madrid kamen wir im Stadtteil Malasaña in einem Coworking-Space unter. Eigentlich ein leerer Raum. Unser Partner raumlaborberlin verwandelte diesen in unfassbar kurzer Zeit in ein Labyrinth aus recycelten Materialien, mit Nischen zum Verkriechen und Ecken zum Präsentieren und Diskutieren. Auch in Madrid waren die vier Tage jeweils der Musik, der Kunst, der Kreativwirtschaft und der Architektur gewidmet. Es wurde noch voller, diesmal kamen binnen vier Tagen 1.800 Leute! Vor der Tür pulsierte und wackelte die hauseigene Teledisko. Die kleinste Disko der Welt, eine ehemalige Telefonzelle, in der man Songs seiner Wahl hören kann, die hatten wir aus Berlin mitgebracht. Ein Highlight war das Massage-Interview von Helga Wretmann: Zwei Künstler aus Madrid legten sich auf die Massagebank, Helga Wretmann legte Hand an, massierte die Künstler, während die aus ihrem Leben erzählten, über ihre Arbeit, warum sie Kunst machen, wie Kunst ihr Leben verändert.

 

Zürich

Last but not least: Zürich, knapp 400.000 Einwohner zählt die größte Stadt der Schweiz. Was in Berlin Stadtteile sind, sind hier Kreise, zwölf an der Zahl, inklusive 22 sogenannter Stadtquartiere. Wir waren mittendrin: im Kreis 1. Und präsentierten in einem ehemaligen Modegeschäft in der Altstadt Berliner Architektur, Kunst, Musik und neueste Designformate. Schon am Eröffnungsabend am 13. Dezember 2016 gab es reichlich Performance, eine Harfenistin aus Zürich war am Werk und offenbarte gemeinsam mit Freestyle-HipHoppern und Freedarich von Mittekill ausgefallene Klangkunst. Am nächsten Tag stand Berlin als Kunst- und Kreativmetropole im Fokus: Zunächst führte Newniq durch ausgewählte Berliner Stadtteile und zeigte neue Berliner Designprodukte. Anschließend debattierten Kulturschaffende aus Berlin und Zürich über Standortbedingungen und Umsetzungsstrategien im Städtevergleich. Das Resultat: Mut zur Lücke! Wir brauchen neue Nachhaltigkeitsformate, einen städteübergreifenden Austausch über Produktionsbedingungen und Produkte, die gut für die Gesellschaft sind. Hier können Kultur und Kreativwirtschaft eine Vorreiterrolle übernehmen. An den folgenden Tagen beeindruckten das Videokunst-Programm von Niklas Goldbach über das Verhältnis von Mensch und Natur und eine fulminante Performance von Daniel Cremer. Zum Abschluss am Sonnabend präsentierten Musicboard Berlin und Music Tech Fest Berliner Musikexponate, z.B. „Nagual Dance“ von Matthias Strobel und die Reproduktion der Berliner Mauer #PlayThisWall als interaktives Musikinstrument. Die irisch-norwegische Singer-Songwriterin Tara Nome Doyle (eine Newcomerin, die schon im Berghain spielte) verzauberte das Schweizer Publikum mit eigens kreierten Kometenmelodien zwischen Melancholie und Aufbruch. 

Wir sagen: Schön war’s! Popup ist das neue Pop und wir kommen wieder. Ihr hoffentlich auch.


Alle Infos unter: https://www.facebook.com/kulturprojekteberlingmbh/

Autor: Jens Thomas

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