Freude, Ehre, Verantwortung – und natürlich viel Spaß


Unser Geschäftsführer Moritz van Dülmen über das Projekt Tag der Deutschen Einheit -

Als mich im Sommer 2016 der Protokollchef des Landes Berlins fragte, ob wir als Kulturprojekte Berlin den Tag der Deutschen Einheit 2018, das sogenannte Bürgerfest, gestalten und organisieren wollen, zögerte ich keine Sekunde. Berlin ist nach Sachsen 2016 und Rheinland-Pfalz 2017 dieses Jahr als ausrichtendes Bundesland im Rahmen der Bundesratspräsidentschaft „dran“, den Wiedervereinigungstag auszurichten.

Es war für uns als Kulturprojekte Berlin eine Freude, gefragt zu werden. Und für mich persönlich auch eine Ehre, einen Beitrag zur Verbesserung des aus meiner Sicht nicht optimalen Images unseres 3. Oktobers als Nationalfeiertag leisten zu dürfen. Der 3. Oktober ist so ein bisschen wie ein fünftes Rad am Wagen, im Verhältnis zur Emotionalität der Friedlichen Revolution sowie des Mauerfalls – und damit des 9. Novembers. Aber steht doch der 3. Oktober für das politische Resultat, welches in einer rasant kurzen Zeitspanne von nicht einmal 11 Monaten vollbracht wurde, der Halbzeit zwischen Friedlicher Revolution und Einheit. Aber dazu später mehr. Der Tag der Deutschen Einheit ist in jedem Falle viel wertvoller als vielen bewusst. Aber auch nicht selbstverständlich andauernd.

Gerade mit Blick auf das Erstarken nationalistischer, abgrenzender und nicht vereinender Tendenzen, die dem Einheitsgedanken und der real erzielten Verfasstheit unseres Landes diametral gegenüberstehen, bekommt unser deutscher Nationalfeiertag zunehmend eine besondere Bedeutung. Die deutsche Wiedervereinigung 1990 und damit auch die sich hierdurch ergebende europäische Vereinigung waren nur dank der internationalen Nachbarn und Partner möglich. Und war zugleich ein nahezu einmaliger gesellschaftlich-politischer Kraftakt aller. Das ging nur gemeinschaftlich, daher auch unser Motto 28 Jahre später: „Nur mit Euch“.

Aber zurück ins Jahr 2016 und 2017: Stippvisiten auf den Festen in Dresden und Mainz folgten mit der Erkenntnis, dass die Feier in Berlin an den historischen Schauplätzen mit Reichstag und Brandenburger Tor Verantwortung und Chance zugleich ist. 28 Jahre stand die Mauer, 28 Jahre ist sie nun wieder weg, das musste der Ausgangspunkt aller zukünftigen Überlegungen sein. Auch um das Fest aus seiner weitestgehend inhaltlosen Programmatik zu befreien und wieder in seinen historischen Anlass einzubetten – ohne dabei den Unterhaltungswert, die Leichtigkeit und Popularität zu vernachlässigen. Was für eine Aufgabe! Challenge accepted; der Ehrgeiz war geweckt.

Heute 2 Jahre später und wenige Tage vor dem Fest, freue ich mich, dass wir mit JR einen international politisch-aktiven und renommierten Künstler gewinnen konnten, der für uns das Brandenburger Tor als das politische Symbol der Einheit inszeniert und nochmals in den Kontext der historischen Ereignisse von 1989/90 setzt. Und wie ich finde, zu einem temporären Einheits- und Freiheitsdenkmal macht. Eine sicher auch nachhaltige, international sichtbare Botschaft von diesem Ort zu diesem Datum, dem 3. Oktober, unserem deutschen Nationalfeiertag, der eigentlich auch ein europäischer ist.

Ich freue mich zudem, dass wir alle Bundesländer, erstmals gemeinsam und zusammen - als Einheit - an einem Ort, auf dem Platz der Republik präsentieren können. An dem Ort, an dem die Feierlichkeiten am 3. Oktober 1990 stattfanden, präsentieren sich drei Tage lange die vereinigten Bundesländer und nehmen uns mit auf eine Reise durch die Republik – passender war eine Adresse selten.

Gemeinsam mit Museen, Aufarbeitungsinitiativen und Gedenkstätten tauchen wir ein in die atemberaubende Geschichte des Vereinigungsprozesses von Mauerfall über den 3. Oktober bis zum status quo. Bekannte und viele unbekannte Geschichten der Halbzeit 1989/90 zwischen 28 Jahre Teilung und 28 Jahre Einheit erzählen wir nicht zuletzt in unserer großen Open-Air-Ausstellung auf der Straße des 17. Juni. Es ist vielleicht auch Zeit und nun eine ideale Gelegenheit, die Einheitsgeschichte zu erzählen und auch so den Fokus auf den Feieranlass am 3. Oktober zu lenken.

Immer das Thema und den Anlass im Blick konnten mehr als 200 Partner gewonnen werden, Programme zu unserem vielleicht nicht ganz bescheidenen Anspruch beizusteuern. Und wo Berlin drauf steht, muss auf jeden Fall auch Berlin drin sein: Von der Initiative Sportmetropole Berlin, zahlreichen Vereinen und Verbänden über Mauerpark-Karaoke bis zu Veranstaltern kleiner und großer Initiativen in der Stadt hin zur Schlesischen 27 konnten wir verschiedenste Partner für das „größte Fest des Jahres“ gewinnen – was für ein Gewinn :). Zudem entwickelten viele der Sponsoren selbst eigene Initiativen, wie H&M, die mit Stars wie Anna Maria Mühe, Lena Meyer-Landruth oder Edin Hasanovic eine eigene NUR-MIT-EUCH-Kampagne starteten.

Besonders froh bin ich, dass wir mit dem Maxim-Gorki-Theater passend am 3. Oktober unser Grundgesetz theatralisch als Welturaufführung in einer Inszenierung von Marta Gornicka auf die Bühne am Brandenburger Tor bringen werden.

Mit #1Heit findet das Einheitsfest seinen Schlusspunkt, ein großes Konzert am Tor von und mit Künstlern mit Haltung und Engagement, in Kooperation mit der Initiative „musik bewegt“. Die Macher des peace x peace-Festivals gestalten den Abschlussabend mit Künstlern von Nena über Samy Deluxe und Namika bis hin zu einer Liveperformance vom Babylon Berlin Orchester.

Last but not least verbindet unser „Band der Einheit“, eine einfache aber 2,5 Kilometer lange Installation aller 11.040 deutschen Gemeinde-Schildern in bekannter gelber Ortsschild-Optik, das gesamte Festgelände und ist der gelbe Faden unseres Festes. Den Hauptbahnhof mit dem Potsdamer Platz, Ost und West und Nord und Süd, das Gemeinsame mit dem Unterschiedlichen. Simpel aber auf den Punkt, für jeden. Das ist uns wichtig und unser Ziel.

„Bunt, anspruchsvoll und demokratisch“ bezeichnete die Berliner Zeitung dieser Tage unser Programm. Treffender kann man es einfach nicht ausdrücken. Bunt sind nicht zu Letzt auch unsere Konfettis im schwarz-rot-goldenen Logo. Denn die Farben gehören allen, und nicht vermeintlich nur den Rechten. Nur mit Euch wollen wir feiern. Aber Euch versteht sich ohne Nazis, die sollen erst mal zur Vernunft kommen. Wenn sie das wollen, dann herzlich willkommen!

Viel Spaß bei den Tagen der Einheit, ein Tag reicht nicht!

Diese Einheitstage wären nicht möglich ohne ein großartiges Team im Hintergrund, was seit Monaten, zum Teil Jahren an diesem Projekt mitarbeitet, mitfiebert und immer alles gibt, oft mehr als 100%. Dafür möchte ich herzlich Danke sagen!

Herzlich danken möchte ich auch der Senatskanzlei Berlin für die gute Zusammenarbeit und das in uns gesetzte Vertrauen sowie die intensive Begleitung des Projekts.

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