Sommerliche Filmbrise

Open-Air-Kinoreihe "Fotografie im Film"

Gerade fällt es schwer, einen Blogbeitrag zu verfassen und nicht auf das vorherrschende Wetter einzugehen. Jeder Artikel oder Beitrag, jedes Gespräch beginnt oder endet mit einem Lamento über das scheinbar Unbekannte, Noch-nie-so-Erlebte aber doch eigentlich nur Vergessene: über einen richtigen Sommer mit langanhaltend hohen Temperaturen. Deswegen von mir keinen Ton dazu, auch wenn die kleine Open-Air-Sommerfilmreihe, die bereits zum dritten Mail im Rahmen des MuseumsSommers im Podewil stattfindet, den Sommer im Namen trägt und vor allem bisher sehr von ihm profitiert hat.

Auch die diesjährige Ausgabe der Filmreihe, die durch das MuseumsJournal kuratiert wird, ist zugleich gewissermaßen ein sommerlicher Prolog zur Berliner Ausgabe des EMOP – European Month of Photography und widmet sich, wie könnte es anders sein, dem Verhältnis von Fotografie im Film. Der lauschige Garten des Podewil zeigt einmal mehr, wie hervorragend er sich für hochsommerliche Open-Air-Veranstaltungen eignet, kommt doch gegen Abend unter der großen Pergola ein angenehmes Lüftchen auf, dass die Vorstellung begleitet und erst gegen Mitternacht wieder zur Ruhe kommt, wenn der jeweilige Film schon zu Ende ist. Wer also diese kleine Filmbrise erleben möchte, hat noch an drei Mittwochabenden die Möglichkeit dazu, denn bis zum 22. August zeigen wir noch vier Filme.

Die Serie der letzten Filmabende beginnt am 8. August mit "Augenzeugen- die Fotografen Höpker, Lebeck, Moses und Scheler" des Münchner Filmemachers Reiner Holzemer (mit Thomas Schadt). Darin porträtiert Holzemer die vier genannten Fotografen, die Ende der Sechziger Jahre aufbrachen, die deutsche Reportagefotografie mithilfe der Illustrierten "Stern" zu erneuern. Nicht alle vier Namen mögen Fotolaien ein Begriff sein, doch zumindest die Arbeiten Robert Lebecks und vor allem von Stefan Moses sind einem größeren Publikum bekannt. Moses porträtierte unmittelbar nach dem Mauerfall Menschen bzw. Arbeiter in der DDR und später große Deutsche Persönlichkeiten im Wald. Und Lebeck steht nicht erst seit dem Film "Drei Tage in Quiberon" für seine einfühlsamen Aufnahmen von Romy Schneider.

Am 15. August begleiten wir die Fotografenlegende Josef Koudelka ins Heilige Land. »Koudelka – Shooting Holy Land« zeigt genau, was der Titel beschreibt: Den bekannten Landschaftsfotografen bei der Arbeit vor der beeindruckenden Kulisse Israels. Mit den Augen des Regisseurs Gilad Baram sehen wir ihn das jeweilige Motiv auswählen, sich etwa durch Stacheldraht hindurchwindend, die beste Perspektive suchend. Dabei entspinnt sich eine unterhaltsame Auseinandersetzung über Grenzen, denn Koudelka hält die israelischen Schutzanlagen gegenüber den Palästinensern fest.

Der 22. August ist zwei Fotografinnen gewidmet: Gundula Schulze und Sibylle Bergemann. In dem 1983 von Helke Misselwitz gedrehten DEFA-Kurzporträt »Aktfotografie – z. B. Gundula Schulze« reichen 12 Minuten aus, um das männlich dominierte Bild der Aktfotografie von Gundula Schulze dekonstruieren zu lassen und diesem Genre seine Natürlichkeit zurückzugeben. 

In »Take a Picture. Die Fotografin Sibylle Bergemann« bereitet die Regisseurin Sabine Michel ihrer Protagonistin den Raum die eigene Lebensgeschichte zu erzählen. Die stimmungsvoll-melancholischen Aufnahmen geben tiefe Einblicke in die vielschichtige Arbeit Bergemanns, die mit Mode- und Porträtfotografie nur unzureichend beschrieben wäre.

Wer trotz der Brise ein kühles Getränk zum Film benötigt wird fündig. Wie in jedem Jahr gibt es eine kleine Bar, die genug Gekühltes für alle vorhält.

Einlass ab 20 Uhr, Beginn 21.15 Uhr
Eintritt 5 €
Bei schlechtem Wetter finden die Veranstaltungen im Foyer des Podewils statt.
Podewil, Klosterstraße 68, 10179 Berlin

Weitere Informationen
Programmübersicht zur Reihe "Fotografie im Film"
Programm des MuseumsSommers


Der Autor Christoph Tempel ist freischaffender Redakteur für das MuseumsJournal.



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