Drei Drinks, zwei Schlösser, eine Lange Nacht in Berlin



In diesem Jahr habe ich ein besonderes Verhältnis zur Langen Nacht der Museen. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, den Durchblick durch das immense Angebot zu haben. Durch mein dreimonatiges Praktikum im Projektteam kenne ich es nun sehr gut, weiß, welche Museen teilnehmen, wo sie liegen, welche Shuttle-Busrouten sie verbinden. Und ich kenne die besonderen Veranstaltungen und Schätze, die es während der Langen Nacht zu entdecken gibt. Natürlich sind hier persönlichen Interessen unterschiedlich und entscheidend. Da ich in Berlin wohne, reizen mich weniger die Dauerausstellungen der Museen, sondern vielmehr die Orte, zu denen Besucherinnen und Besucher sonst keinen Zugang haben und die Events, die eben nur in dieser Nacht stattfinden. Da ich als Teil des Teams für einen reibunslosen Ablauf bei Langen Nacht der Museen am 25. August sorge, bleibt mir nur auszumalen, was ich als Besucherin erleben könnte. Aber meine Ideen, wie ich diese Lange Nacht verbringen würde, teile ich trotzdem gerne. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude (auch uneingelöst) und sharing is caring. Deshalb erträume ich mir die Lange Nacht der Museen 2018 schon vorab heute, jetzt, hier.

Die Planungsphase für die Lange Nacht war aufregend genug, weshalb ich es am Veranstaltungsabend lieber ruhig angehen lasse. Den Auftakt dieser Langen Nacht genieße ich, fernab des Stadtzentrums, auf der Dachterrasse des Georg Kolbe Museums mit einem Drink in der Hand und Blick auf das Westend. Ich schlendere durch die Ausstellung "Der Affe fällt nicht weit vom Stamm" des Berliner Künstlers Volker März und freue mich, dass die Museumsräume (noch) nicht überlaufen sind.

Das Wetter lädt zwar zu einem Spaziergang ein, aber ich habe noch einige Punkte auf meiner persönlichen Route, und letztlich ist mir der Weg zu Fuß zu meinem nächsten Ziel doch zu weit - also steige ich in den Shuttle-Bus der Route 7, der mich zum Schloss Charlottenburg bringt. Im tiefen Berliner Westen strahlt der wunderschöne Prachtbau, den ich häufig von außen gesehen, aber nie betreten habe. Das gleiche Schicksal teilt auch der Fernsehturm... Auf jeden Fall soll heute wenigstens dieser blinde Fleck auf meiner Sehenswürdigkeiten-Karte endlich verschwinden! Wie erwartet ist der Andrang vor dem Schloss groß, aber ich habe es nicht eilig, beobachte die anderen Besucherinnen und Besucher, wie sie Pläne checken, in Programmheften blättern, Selfies schießen und sich mit ihrem Geschnatter die Wartezeit verkürzen. Meine Schlössererfahrung ist sehr begrenzt und ich frage mich, ob das barocke Schloss auch innen so schön ist wie das in Versailles. Während der Langen Nacht können die Gäste durch die Paradekammern Friedrichs I. und die Wohnungen der Königin Sophie Charlotte flanieren und etwas royale Luft im sonst eher kratzigen Berlin schnuppern.

Apropos kratzig. Mein Hals tut weh und ich finde, es ist Zeit, mir ein weiteres Getränk zu gönnen. Im Bröhan-Museum, das gegenüber dem Schloss liegt, hat eine Cocktail-Bar geöffnet, an der ich mich mit einem Gin Tonic versorge und der Musik lausche. Ich bin überrascht, in den Räumen des auf Jugendstil spezialisierten Museums eine Frankfurter Küche zu finden, die in ihrer Sachlichkeit so ganz aus den Schnörkeln des Art Déco heraussticht. Ein Kontrast, über den ich mit meiner Begleitung in Streit gerate (aber das muss ich hier nun nicht ausführen...).

Nun habe ich einen großen Sprung vor, der mein persönliches Programm geographisch und zeitlich auseinanderreißt, aber inhaltlich wunderbar passt. Punkt Vier auf meiner Liste: das Schloss Britz in Neukölln. Gebaut wurde es bereits 1706 und liegt idyllisch an einem Park und kleinen See. Unberechtigterweise (!) ist es viel weniger bekannt als sein Charlottenburger Pendant. Dazu trägt wohl auch die Lage des Schlosses im Berliner Süden bei. Mir gefällt die ruhige Atmosphäre und dass ich mich hier nicht mit hunderten Menschen durch den Rundgang schieben muss.

Zum Abschluss meiner Langen Nacht möchte ich dann aber doch noch die sonst quirlige, geschäftige, internationale Atmosphäre auf mich wirken lassen. Wo und wie ginge es besser als am Lustgarten, Ort der offiziellen Eröffnung und Startpunkt vieler Besucherinnen und Besucher, und - Überraschung! - einem Drink in der Hand, den ich mir bei Bar&Beats hole. Im Kolonnadenhof legt Djane Phoebe Killdeer auf (Wer erinnert sich noch an ihren Hit Fade Out Lines???) und ich hole mir an der Bar einen Moscow Mule. Angelehnt an die massiven, warmen Säulen beobachte ich die bunten Menschenströme, die zwischen den Museumsinsel-Bauten wogen und drehe mich dabei langsam zur Spree. Mein Blick schweift zum Monbijoupark, während ich an meinem Longdrink nippe und mit meiner Begleitung unsere Eindrücke der Langen Nacht rekapituliere. Unsere Idee für nächstes Jahr: Statt Berlin von West nach Süd zu durchkreuzen, entdecken wir die Museen und Events in Ost und Nord!

Weitere Informationen
Website der Langen Nacht der Museen 2018
Programm zur Langen Nacht der Museen 2018

Informationen zu allen Berliner Museen
www.museumsportal-berlin.de

Die Autorin Marina Brafa ist Teil des Projektteams der Langen Nacht der Museen 2018.

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