Auf den Spuren der Revolution


Revolution, das ist ein ziemlich großes Wort. Es steht für Umbruch, für Unruhe und für viele kleine Geschichten, die sich zu einer großen zusammenbrauen. Am Ende steht die Revolution von 1918/19 hierzulande auch für die Errungenschaft der ersten deutschen Demokratie. Doch auch, wenn ihre Spuren in Berlin noch an vielen Orten sichtbar sind, lässt sich für uns das Gefühl der damaligen Zeit nur schwer nachempfinden. Um aber einen Einblick zu ermöglichen und die weittragende Bedeutung der Entwicklungen von damals zu veranschaulichen, wurde der Themenwinter ins Leben gerufen.

Mit dem Projekt 100 Jahre Revolution – Berlin 1918/19 erinnern mehr als 60 Institutionen, darunter Museen, Geschichtsvereine, Gedenk- und Bildungsstätten und Künstler*innen gemeinsam mit Kulturprojekte Berlin fünf Monate lang an die Ereignisse der Revolution von 1918/19 und blicken mit stadtweiten Ausstellungen und Veranstaltungen auf die Folgen bis in die heutige Zeit. „Versammelt Euch!“, „Macht Frieden!“ oder „Solidarisiert Euch!“ sind dabei drei von insgesamt sieben Titeln, die für die übergreifenden Themenfelder des Projekts 100 Jahre Revolution Berlin – 1918/19 stehen. Sie beschäftigen sich mit wichtigen Themen wie politischer Mitbestimmung, Gleichberechtigung, Versammlungsfreiheit, Pressfreiheit, Macht und Meinungsfreiheit. Ihr wollt euch auch auf Spurensuche machen? Dann haben wir hier ein paar Tipps für euch!

Freiheit. Die Kunst der Novembergruppe 1918–1935

Politisch unruhige Zeiten bedeuten auch immer ein Erstarken der Kunst, die als Ausdruck von Widerstand oder auch Kommentar zur aktuellen Lage verstanden werden kann und soll. So verhielt es sich auch mit den Arbeiten der im November 1918 gegründeten Vereinigung „Novembergruppe“. In der interdisziplinären Gruppe fanden sich neben Künstler*innen auch Filmemacher*innen, Schriftsteller*innen, Komponist*innen und Architekt*innen. Bereits kurz nach der Gründung bekam sie eine Stimmgewalt, der man sich in Politik und Gesellschaft nicht entziehen konnte. Sie selbst verstand sich als Plattform für Freiheit, Demokratie und Vielfalt, auch wenn sie als durchaus streitbar galt. Die Berlinische Galerie zeigt insgesamt 119 Werke der Novembergruppe und schafft es so, einen spannenden und einnehmenden Einblick in das Gefühl der damaligen Zeit zu vermitteln. Wir empfehlen, unbedingt etwas Zeit mitzubringen.  

Bis 11. März 2019 | Berlinische Galerie | Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin | Mittwoch–Montag 10–18 Uhr

Berlin in der Revolution 1918/19. Fotografie, Film und Unterhaltungskultur

Die Macht, die Bildern bei der unmittelbaren Vermittlung von Stimmungen einer Zeit haben, dürfte niemand abstreiten. Man kann sich sofort besser hineinversetzen und geht mit seinen Augen auf Entdeckungstour – was hatten die Menschen an, was steht in ihren Gesichtern oder an den Hauswänden geschrieben, was lässt sich für uns rekonstruieren? Das Museum für Fotografie zeigt zum Themenwinter deshalb eine Ausstellung, die nicht nur eine fotografische Reise durch die politischen Szenen der Revolution in Berlin ist, sondern auch Bilder der Unterhaltungskultur dieser Monate zeigt, die von einer vergnügungssüchtigen Intensität geprägt war. 

Bis 3. März 2019 | Museum für Fotografie – Helmut Newton Stiftung | Jebensstr. 2, 10623 Berlin | Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag 11 bis 19 Uhr, Donnerstag 11 bis 20 Uhr

Berlin 18/19 – Das lange Leben der Novemberrevolution

Im Märkischen Museum können wir auf die Hintergründe der Revolution und die Auswirkungen auf das Leben und den Alltag der Berlinerinnen und Berliner einen genaueren Blick werfen. Die Besucher erwarten überraschende Ausstellungsstücke und eine multimediale Aufarbeitung der damaligen Ereignisse, aber auch ein Blick auf die Instrumentalisierung der Revolution. Außerdem setzen sich im Studio Revolution Jugendliche mit Revolution und Protest in der Gegenwart auseinander und präsentieren ihre in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen, Künstlern und Museumsfachleuten entstandenen Beiträge in der Sonderausstellung.

Bis 19. Mai 2019 | Märkisches Museum | Am Köllnischen Park 5, 10179 Berlin | Dienstag – Sonntag 10–18 Uhr

1914 – 1918 Damals nicht, jetzt nicht, niemals! 

Der Deutsche Bundestag zeigt eine der wohl symbolträchtigsten Ausstellungen des Themenwinters. Jeder hier beteiligte Künstler hat als Ausgangspunkt einen Holzblock aus Eiche bekommen, der frei nach den eigenen Vorstellungen als Friedensmahnmal gestaltet werden konnte. Das Eichenholz stammt von Bäumen, die auf einem ehemaligen Schlachtfeld im Elsass standen. Im Holz finden sich noch Spuren von Granatsplittern. Mit dabei sind Künstler*innen wie Anish Kapoor, Kiki Smith, Monica Bonvicini, Pedro Cabrita Reis oder Günther Uecker, die allesamt aus Staaten stammen, die am Ersten Weltkrieg beteiligt waren. An den Wochenenden werden zweimal täglich 90-minütige Führungen mit dem Themenschwerpunkt der Ausstellung „1914/1918“ angeboten.

Bis 6. Januar 2019 | Deutscher Bundestag | Platz der Republik 1, 11011 Berlin

Die Woche beginnt mit Revolution! ǀ Revolutionszentrum Podewil

Im Podewil hat die Kulturprojekte Berlin ihr Zuhause. Hier wird aber nicht nur fleißig gearbeitet, sondern es werden auch Besucher*innen zu zahlreichen Veranstaltungen begrüßt. Jetzt im Themenwinter bildet das Gebäude in der Klosterstraße das Revolutionszentrum. Jeden Montag geht es um die zentralen Fragen der Revolution vor 100 Jahren und um ihre Relevanz in der heutigen Zeit. Es wird Diskussionen und Vorträge geben, ebenso wie Gespräche, Konzerte, Filme, Theater und Poetry Slam. Realisiert in Kooperation mit verschiedenen Partnern, wird immer montags debattiert und diskutiert, gedacht, getanzt oder gefeiert. Einmal im Monat geht es in der „Talkshow aus der Zukunft“ um demokratische Grundrechte, die ihren Ursprung 1918/19 fanden. Im Februar nimmt eine Ausstellung die Besucher*innen mit auf eine Reise durch die Revolution und den Berliner Themenwinter. Tipp: Am 26. November geht es in der Montagsreihe im Podewil um das Thema „Frieden – Demokratie – Gewalt / Was bleibt von der Revolution?“, Beginn ist um 19 Uhr.

Bis 11. März 2019 ǀ Podewil | Klosterstraße 68, 10178 Berlin 

REVOLUTION MACHT REPUBLIK!

Das Abgeordnetenhaus von Berlin zeugt wie kein anderes Gebäude von den Ereignissen, die sich 1918/19 abspielten: Die Ablösung der preußischen Monarchie und der Übergang zur Republik, die entscheidenden Weichenstellungen hin zur parlamentarischen Demokratie auf dem Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte, die bis heute nachwirkende Spaltung der Arbeiterbewegung mit der Gründung der KPD oder das erste auch von Frauen gewählte preußische Parlament. Doch die Ausstellung blickt nicht nur zurück, sondern stellt vor allem auch Zusammenhänge zu aktuellen Themen und Entwicklungen dar. An hölzernen Bauzäunen sind die Aussprüche, die gleichzeitig als Kapitel der Ausstellung funktionieren, angebracht: „Versammelt Euch!“, „Macht Frieden!“, „Mischt Euch ein!“, „Keine Gewalt!“, „Informiert Euch!“, „Beteiligt alle!“ und „Solidarisiert Euch!“, sie bilden damit auch eine Metapher zur Demokratie als dauerhafte Baustelle, „an der es immer und immer wieder neu zu bauen gilt“.

11. Dezember 2018 – 24. Januar 2019 | Abgeordnetenhaus von Berlin | Niederkirchnerstraße 5, 10963 Berlin | wochentags bis 18 Uhr geöffnet

Die Rote Flut – Revolutionäre Blätter

Hier gibt es die Revolution schwarz auf weiß. Auf einer „Quellenbühne“ können Besucher zahlreiche Dokumente wie Flugblätter, Ausschnitte von Zeitschriften, Verordnungen, Satzungen, Handlungsanleitungen und Protokolle von Sitzungen der revolutionären Obleute, der Arbeiter- und Soldatenräte und der Deutschen Nationalversammlung einsehen. Zu verdanken ist das der Berliner Künstlerin Julia Lazarus, die die stillen Zeitzeugen aus Archiven zusammengetragen hat. An ihrer Seite stand Ina Wudtke, die für die Ausstellung Buchcover und Ausgaben der Taschenbuchreihe „Der Rote 1 Mark-Roman" gesammelt hat, in denen damals Arbeiter*innen ihre Wohn- und Arbeitsverhältnisse geschildert haben. Gezeigt wird auch ein Kurzvideo über den Metallarbeiter und Dreher Willi Bredel, der sich zu jener Zeit als Schriftsteller einen Namen machte.

Bis 30. November 2018 | Im Ausstellungsraum der IG Metall | Alte Jakobstraße 149, 10969 Berlin | Mo–Do 9–18 Uhr, Fr 9–14:30 Uhr, Eintritt frei

100 Jahre Revolution – Berlin 1918/19 – noch bis zum 18. März 2019 | Alle Informationen dazu findet ihr hier.

Die Autorin Saskia Wichert ist als freischaffende Autorin für unseren Kulturprojekte Berlin-Blog tätig.

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