Im Zuge der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls veränderten mutige Bürger*innen vor genau 30 Jahren die Welt. Ihr Engagement für die Freiheit ging in die Geschichte ein. Berlin feiert diese Ereignisse mit einer Festivalwoche. Vom 4. bis 10. November wird die Stadt in ein großes Open-Air-Ausstellungs- und Veranstaltungsgelände verwandelt: Für alle Berliner*innen und Gäste aus der ganzen Welt mit über zweihundert Veranstaltungen an sieben Originalschauplätzen — zum Dabeisein, Feiern, Mitmachen, Erinnern und Diskutieren.

Um was geht es bei der Festivalwoche?

Die Festivalwoche macht an sieben Tagen an sieben Orten die Geschichte der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls dort erlebbar, wo sie stattgefunden hat: Diese Orte erinnern an Schlüsselereignisse beim Sturz des SED-Regimes, an die Courage der Menschen, die sich gegen die Diktatur stellten sowie an den demokratischen Aufbruch in eine neue Zeit. Die Erinnerung an die Freiheit, die damals erkämpft wurde, ist Grund zum Feiern. Der 30. Jahrestag ist aber auch ein Anlass, den Opfern der SED-Diktatur zu gedenken und offen und kritisch über Gegenwart und Zukunft zu streiten und gemeinsam an den Herausforderungen unserer Zeit zu arbeiten.

7 Tage – 7 Orte

An sieben historisch bedeutenden Orten der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls in Berlin, nämlich Gethsemanekirche, Alexanderplatz, Brandenburger Tor, Kurfürstendamm, Stasi-Zentrale, Schlossplatz und East Side Gallery, können Besucher*innen an jedem Tag der Festivalwoche rund um die Uhr die historischen Ereignisse in einer großen Open-Air-Ausstellung erfahren. Aber auch Musik, Kino, Theater, Lesungen und viele weitere Highlights sind zu entdecken. Nach Einbruch der Dunkelheit inszenieren eindrucksvolle 3D-Videoprojektionen die Gebäudefassaden an den Orten.  An den Originalschauplätzen wird ein erzählerischer Bogen von den Formierungsprozessen der Opposition bis hin zum demokratischen Aufbruch der DDR gespannt.

Großflächige 3D-Videoprojektionen inszenieren die Orte

In der Festivalwoche können Besucher*innen die Atmosphäre und Stimmungen von 1989/90 an den Schauplätzen der Friedlichen Revolution nachempfinden. Möglich machen das 3D-Videoprojektionen, die nach Einbruch der Dunkelheit die Ereignisse zurück an die Hausfassaden holen: Historische Filmaufnahmen mit eindrucksvollen Licht- und Soundeffekten ergeben ein besonderes Medienkunsterlebnis. So werden beispielsweise auf dem Alexanderplatz die Wünsche, Hoffnungen und Forderungen hunderttausender Demonstrant*innen erlebbar, die hier am 4. November 1989 selbstbewusst der SED-Führung die Stirn boten. Die Gebäude dienen dabei als architektonische Zeitzeugen und Leinwand.

Die Videoprojektionen laufen an den Festivalorten Gethsemanekirche, Alexanderplatz, Kurfürstendamm, Stasi-Zentrale, Schlossplatz und East Side Gallery. Sie dauern jeweils etwa 15 Minuten und wiederholen sich den Abend über.

Die Open-Air-Ausstellungen

Wie die Friedliche Revolution in Berlin verlaufen ist, lässt sich  am besten von denen erzählen, die sie miterlebt haben. In einem großangelegten Zeitzeug*innenprojekt wurden Menschen, die damals dabei waren, befragt. Open-Air-Ausstellungen an den sieben Originalschauplätzen der Festivalwoche erinnern dort nicht nur an die Geschehnisse im Herbst 1989 vor Ort, sie blicken auch auf die Ursachen und Folgen der Friedlichen Revolution sowie über Ländergrenzen hinaus. Auch bislang vergessene Perspektiven werden hör- und sichtbar gemacht. Von der Bürgerrechtlerin über den Pastor bis zum Vertragsarbeiter und zum Journalisten für das West-Fernsehen kommen jene zu Wort, die diese Zeit erlebt haben

Die Open-Air-Ausstellungen sind rund um die Uhr geöffnet.

Das Veranstaltungsprogramm

Über den gesamten Festivalzeitraum finden an allen sieben Orten an sieben Tagen weit über zweieinhundert Veranstaltungen statt. Dazu zählen zahlreiche Konzerte verschiedener Genres von Klassik über Punk und Blues bis Rock, Theaterstücke, Lesungen, Diskussionen, Workshops, Performances, Audiowalks, Poetry Slams und viele weitere Formate zum Mitmachen. Das vollständige Programm steht im umfangreichen Veranstaltungskalender.

Der Abend des 9. November

Die Festivalwoche findet ihren Höhepunkt am 9. November mit der Bühnenshow vor dem Brandenburger Tor – dem Symbol der Teilung, das vor 30 Jahren zum Sinnbild der Freiheit wurde, für die Hunderttausende ihre Stimmen erhoben. Die circa zweistündige crossmediale Inszenierung erzählt von einem Teil der deutschen Freiheitsgeschichte und wird getragen von musikalischen Acts, Schauspiel- und Lichtperformances sowie zahlreichen Zeitzeug*innen – engagierten Menschen von damals und heute. Eröffnet wird die Bühnenshow mit einer Begrüßung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Michael Müller sowie Ansprachen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und der Bürgerrechtlerin und ehemaligen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Marianne Birthler.

Die Zuschauer*innen erwartet ein multimediales Showereignis, das den Themen Mut, Sehnsucht nach Freiheit und ihre Bedeutung für die Menschen damals und heute in vielfältigen künstlerischen Formaten Ausdruck verleiht. Die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim, Anna Loos, Trettmann, Dirk Michaelis, Zugezogen Maskulin und Die Zöllner sind die musikalischen Künstler*innen, die vor einem imposanten Videodome als zentraler Projektionsfläche auftreten. Untermalt mit historischem Bild- und Filmmaterial wird zu Beethovens 5. Sinfonie ein zeitgeschichtlicher Bogen gespannt – vom Bau der Mauer über die Zeit der getrennten deutschen Staaten bis hin zum Mauerfall. Zeitzeug*innen der Friedlichen Revolution kommen im Gespräch mit ZDF-Chefredakteur Peter Frey zu Wort, wie Michael Heinisch-Kirch, der aufgrund seiner Herkunft aus einer Pfarrers- und Kantor*innenfamilie und die Verweigerung der Mitgliedschaft in den DDR-Pflicht-Organisationen “Junge Pioniere” und “Freie Deutsche Jugend” früh Ausgrenzung in der DDR-Diktatur erfuhr. Als visuelles Highlight schwebt während der Bühnenshow im Himmel über den Köpfen der Besucher*innen die Kunstinstallation “Visions in Motion” mit 30.000 Hoffnungen und Wünschen von 30.000 Menschen. Auf die  Botschaften wird während der Show Bezug genommen.

Das vom ZDF live übertragene Bühnenprogramm unter der Regie von Sven Sören Beyer vom Berliner Künstlernetzwerk phase7 performing.arts wird von WestBam mit einer After-Show-Party in die Europäische Clubnacht übergeleitet, die in 27 Berliner und in 27 europäischen Clubs stattfindet.

„Visions in Motion“

Hunderttausende Menschen erhoben während der Friedlichen Revolution mutig ihre Stimme und bereiteten damit den Weg zur Öffnung der Mauer vor. In Anlehnung an die Transparente, mit denen die Bürger*innen bei den Demonstrationen der Friedlichen Revolution ihre Wünsche und Forderungen zum Ausdruck brachten, entsteht die Kunstinstallation „Visions in Motion“ am Brandenburger Tor, in welcher 30.000 Botschaften miteingearbeitet wurden. Entstanden sind diese in Workshops, Veranstaltungen und Aktionen in Schulen, Kirchen, auf der Straße wie auf Festivals. „Visions in Motion“ von Patrick Shearn, Poetic Kinetics schwebt während der Festivalwoche scheinbar schwerelos am Brandenburger Tor.

Hier können alle Menschen weiterhin digitale Botschaften mit ihren Wünschen, Hoffnungen und Träumen einsenden, die alle auf der Projektwebsite und während der Festivalwoche am Brandenburger Tor gezeigt werden.

Geschichte in Augmented Reality

Geschichte virtuell erleben auf ganz neue Art und Weise: Dafür gibt es speziell für die Festivalwoche zwei innovative Online-Formate: Die App MauAR holt die Mauer mit Augmented Reality aufs Smartphone oder Tablet. So kann man die Entwicklung vom improvisierten Stacheldrahtzaun bis zur meterhohen Betonwand mit Todesstreifen nachvollziehen. Die Mauer wird damit erstmals auf ihrer Gesamtlänge von 160 Kilometern rund um Westberlin erlebbar gemacht. In fünf Sonder-Episoden werden zudem anlässlich der Festivalwoche die Geschehnisse an den Originalschauplätzen nacherzählt. MauAR gibt es kostenlos unter www.mauar.berlin.

Erlebbar wird Geschichte auch mit über 30 Augmented-Reality-Stories. Sie werden per QR-Code über den Facebook-Messenger an historischen Orten aktiviert. Dort trifft man auf Skateboarder an der East Side Gallery, begleitet Mauerspechte am Brandenburger Tor. Auch das weltbekannte Wandgemälde von Birgit Kinder an der East Side Gallery, auf dem ein Trabbi die Mauer durchbricht, wird auf diese Weise zum Leben erweckt.

Aus Mut gemacht – Das Filmprojekt

Viele Jugendliche kennen die Zeit der Friedlichen Revolution nur aus Schulbüchern oder Erzählungen der Familie. Doch die Fragen von damals sind auch für sie aktuell: Was bedeutet Mut? Wo stehen Mauern? Und wie viel Mut braucht man, um sich gegen diese zu stemmen? Für das Filmprojekt „Aus Mut gemacht“ haben Schulklassen und Gruppen aus Berlin Videos gedreht und dabei ihre persönlichen Antworten gefunden. Eine Auswahl der Videos wird bei einer exklusiven Premiere während der Festivalwoche präsentiert. Die Filme werden an zwei Terminen auch im Programmpavillon am Alexanderplatz gezeigt und auf der Website www.mauerfall30.berlin gestreamt.

Ein Gesamtprojekt der Kulturprojekte Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverwaltung für Kultur und Europa. In Kooperation mit dem Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Stiftung Berliner Mauer, der Robert-Havemann-Gesellschaft und vielen weiteren Partner*innen, gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa sowie unterstützt von H&M und der Berliner Sparkasse.

Kontakt

Susanne Galle, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


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